ICQ soll verkauft werden
America Online (AOL), die den Messaging-Dienst 1998 selbst für insgesamt 412 Millionen US-Dollar (287 Mio. Dollar Kaufpreis und 125 Mio. Dollar Investitionen) vom israelischen Startup Mirabilis gekauft hatten, möchte jetzt laut einem Insider-Bericht von All Things Digital das beliebte ICQ-Netzwerk für eine Summe zwischen 200 und 300 Millionen Euro veräußern. Als mögliche Käuferin wird Digital Sky Technologies (DST) gehandelt. DST ist eine Internet-Holding-Firma, die unter anderem 1,9% am Social Network Facebook hält und ebenso Anteilseigner des in Russland beliebten Mail-Portals mail.ru und einiger osteuropäischer und russischer Social Networks – insgesamt teilfinanziert das Unternehmen knapp 30 Internet-Projekte.
All Things Digital berichtet außerdem, dass die Investmank-Banking-Firma Morgan Stanley and Allen & Co. damit beauftragt wurde, den Kauf abzuwickeln. AOL strebe einen Preis von 300 Millionen Dollar an, allerdings sei der realistische Kaufpreis in Anbetracht einiger Alternativen wohl bei 200-250 Millionen US-Dollar anzusetzen. Da ICQ allerdings das führende Messaging-Netzwerk in Deutschland, Russland, Ukraine und diverser weiterer kleiner Staaten ist, könnte durchaus der frühere Einkaufspreis von 287 Mio. Dollar erreicht werden.
Für deutsche Nutzer soll sich zunächst nicht viel ändern. Das Entwicklerstudio ist weiterhin in Israel ansässig und die diversen Verträge mit deutschen Medienportalen wie ProSiebenSat.1 werden den Fortbestand in Deutschland wohl weiterhin sichern. Auch die Weiterentwicklung des Clients wird wohl auch für deutsche Nutzer weitergeführt. Die umstrittenen Datenschutzregelungen möchte die neue Eignerin allerdings noch einmal überdenken – ob dabei dem Nutzer oder der Holding-Firma mehr Rechte eingeräumt werden, sei einmal dahingestellt. Die ebenfalls umstrittenen Regelungen bei den Tochterunternehmen von Digital Sky Technologies geben dabei allerdings zu denken.

“Die umstrittenen Datenschutzregelungen möchte die neue Eignerin allerdings noch einmal überdenken.” Das ist doch eine feine Sache. Denn dann ließe sich ja wirklich behaupten, der Verkauf bringt bis auf diesem Punkt kaum Änderungen mit sich. Dann möge man hoffen, dass es sich genau so abspielen wird. Warum AOL aber überhaupt einen Verkauf anstrebt, kann ich mir noch nicht genau erklären. Wahrscheinlich ist der Userrückgang (das glaube bzw. hoffe ich zumindest) seit Version 6.x dafür verantwortlich, dass man sich keine finanziellen Vorteile mehr davon versprechen kann, denn sonst würde ich ICQ mehr Potential zugestehen, sodass ein Verkauf ausgeschlossen wäre.
Na ja, da solltest du dann aber noch zwei Sachen bedenken:
1. “überdenken” heißt nicht unbedingt “ändern”, vielleicht wirds ja auch noch schlimmer…
2. AOL hat sich ja von Time Warner getrennt und ist deswegen in akuten Geldnöten, dadurch lässt sich ja schon ein wenig gewinnen – ich denke auch, der Betrieb ist teurer als die Einnahmen.