Ballerspiel reloaded: America's Army 3.0
Zwar gibt es die neue Version 3.0 des Taktik-Kriegsspiels America’s Army schon etwas länger als ein halbes Jahr, allerdings war die Startzeit des Spiels von zahlreichen Bugs und überlasteten Servern geprägt. Wie sich bei den vorherigen Releases großer Versionen gezeigt hat, ist das Spiel nach dieser Zeit von den gröbsten Bugs befreit und gut zu spielen – mit Version 3.0.6 im September 2009 wurde dieser Standard erreicht, Version 3.0.7 steht schon in den Startlöchern. Deswegen folgt hier ein Langzeit-Review, der zu einem Blick über den Tellerrand von Counter-Strike und Unreal Tournament auffordern soll.
America’s Army ist kein klassisches Kriegsspiel. Es geht nicht darum, möglichst schnell ein großes Areal einzunehmen und zahlreiche Terroristen oder feindliche Kombattanten abzumetzeln, wie zum Beispiel beim vieldiskutierten CoD: Modern Warfare 2 – vielmehr ist langsames und bedachtes Vorgehen gefragt. Die kostenlose Fast-Simulation, welche die US Army bislang mehr als 30 Millionen Dollar kostete, verlangt vom Spieler mehr als nur einen ruhigen Finger und gute Augen. Wer alleine in die Schlacht zieht, wird schon bald nur noch im Zuschauermodus unterwegs sein.
Dieser Unterschied im Gameplay macht sich bei vielen Ein- und Umsteigern in den ersten Runden schmerzhaft bemerkbar. Sie verbringen mehr Zeit damit, sich über den plötzlichen Tod aus dem Nichts zu wundern, als Punkte zu machen. Im Gegensatz dazu scheinen die Gegner geradezu unnatürlicherweise oft genau zu wissen, wo man sich versteckt. Nicht zu selten hört man deshalb gerade von Umsteigern Rufe wie “Cheater!” oder “Der hat doch [Wallhack/Aimbot/Speedhack] an!”. Nicht wenige Spieler verlassen nach solchen traumatischen Erfahrungen entnervt den Server und wenden sich wieder anderen Dingen zu.
Auch das Training, das man vor dem Einsatz diverser Waffen absolvieren muss, schreckt potentielle Rekruten eher ab. So muss man zum Beispiel erst einmal mit dem Sturmgewehr schießen lernen, bevor man das Scharfschützengewehr benutzen darf, oder einen Vortrag zum Feldsanitäter auf Englisch über sich ergehen lassen. Allerdings zeigt sich im späteren Spielverlauf, dass diese Trainings für das Spiel sehr wichtig sind – so ist der genannte Sanitäterkurs zum Beispiel sinnvoll, damit man Teamkameraden richtig verarzten oder sogar wiederbeleben kann.
Wer es dann doch einmal durch das Training und die ersten paar Spielrunden geschafft hat, erfreut sich an den überaus vielfältigen Möglichkeiten, die das Spiel bietet. Auf jeder Karte gibt es dutzende Taktiken, die zum Sieg führen oder eine Niederlage besiegeln können. Auch muss man sich mit seinen Teamkameraden absprechen, um zum Beispiel wichtige taktische Informationen auf dem Radar angezeigt zu bekommen. Dann versteht man auch den “Radarblick” erfahrener Spieler: diese verlassen sich einfach auf ihre Teammitglieder und helfen dort, wo es brennt.
Wenn man anderen hilft, bekommt man auch die meisten Punkte. Wer alleine losrennt, verspielt sich die Chance auf wichtige Loyalitäts- und Respektpunkte. Durch das Punktesystem kann man nur dann eine Stufe aufsteigen, wenn man alle Werte der US Army befolgt – dazu gehören auch selbstloser Einsatz für andere, Befolgen von Befehlen und Erfüllung der Einsatzziele. Die Neutralisierung von Spielgegnern ist eher notwendiges Übel als unbedingtes Spielziel – oftmals steigt man schneller in das nächste Level auf, wenn man die Spielziele ohne das Töten von gegnerischen Spielern erreicht. Das Punktesystem, das auch schlechtes Benehmen und Einzelgängerei innerhalb der Gruppe bestraft, ist ebenfalls ein Unterschied zu bekannten Vertretern des Genres.
Da das Spiel wie schon erwähnt hauptsächlich auf Teamplay ausgelegt ist, sind auch die Kommunikationsmöglichkeiten vielfältig. So ist zum Beispiel ein Sprachkommunikationssystem integriert, das auf Teamspeak aufbaut. Auch das Ringmenü, um anderen Spielern Befehle oder taktische Informationen zu liefern, ist sehr vielseitig aufgebaut. Neben dem Festlegen von Einsatzzielen kann man zum Beispiel einen Sanitäter anfordern oder die Route markieren.
Ebenfalls schon herauszulesen ist die hierarchische Struktur des Spiels. Ähnlich wie bei Battlefield, aber weitaus detaillierter, sind die Rollen innerhalb der Spielwelt aufgeteilt. So kann man zum Beispiel nicht direkt seine Waffe wählen, nur eine der verschiedenen Klassen (Team/Squad Leader, Sniper, leichte und schwere Infanterie). Sobald man eine Klasse gewählt hat, kann man seine Waffe allerdings umfangreich modifizieren. So hat man zum Beispiel als Infanteriesoldat die Wahl zwischen zwei verschiedenen Waffen, 3 Modifikationen und zwischen leichter, mittlerer und schwerer Bewaffnung. Je nach Grad der Bewaffnung kann man zum Beispiel unterschiedlich schnell oder lang rennen und hat verschiedene Zielmechanismen an seiner Waffe.
Der hohe Simulationsgrad ist zwar nicht jedermanns Sache, allerdings ist America’s Army ein grundsolider Shooter mit interessanten Elementen. Der Grad an Taktik ist für Kenner des Genres vielleicht ungewohnt, bietet aber Abwechslung von den allgemeinen Ballerorgien á la Counter-Strike. Die Fangemeinde des Spiels ist im Moment über eine Million aktive Spieler groß und es kommen weiterhin neue hinzu – es lohnt sich also durchaus, den Shooter einmal auszuprobieren.

Netter und sehr ausführlicher Beitrag, obwohl ich zugeben muss das ich con AA 3.x enttäuscht worden bin. Es wurde mehr versprochen und gesagt als dann geliefert wurde, klar es ist “kostenlos” und nur ein Rekrutierungsspiel für die US Army, aber trotzdem.
Ich muss ehrlich sagen das mir AA 2.x mehr spass bereitet als AA 3.x da man bei der neueren Version ein paar sachen entfernt hat die mit sehr fehlen. Dafür ist bei der 3er eines der besten features das man beim rennen oder laufen sich hintern Stellungen oder Vorsprünge rutschen bzw. gleiten kann. Dies halt leider noch kein spiel gehabt was ich bis jetzt gespielt habe.
Hoffen wir mal auf die Zukunft das es an alte gute Zeiten anknüpfen kann.