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Warum Übertakten Unsinn ist

Übermittelt von luca am 14. November 2009 – 22:2711 Kommentare

nitrogen_coolingÜberall werden sie beworben: Ob Intel Core i7 Extreme Edition oder AMD Phenom X4 Black Edition, irgendwas ist immer cool, black, extreme oder ultra. Die teilweise auf das drei- oder vierfache angehobenen Preise rechtfertigen die Hersteller mit dem Overclocking-Potential. Durch Erhöhung der Spannungen oder Taktfrequenzen kann man so noch einige Megahertz mehr aus seinem System herauskitzeln.

Bei einem Preis, der mehr als doppelt so hoch liegt, ist eine Leistungssteigerung um 20% (mehr ist durch das Übertakten kaum möglich) jedoch geradezu lächerlich. Für den Preisunterschied mancher CPU-Boliden bekäme man sogar einen Zweitrechner oder einen Laptop – oder könnte das Geld zur Seite legen, um sich in einem oder zwei Jahren einen neuen Rechner zu kaufen.

Ein paar Wochen nach dem Kauf: der überteuerte Arbeitsspeicher vom Markenhersteller ist mal wieder abgeraucht – trotz den riesigen Kühlkörpern und den gerade einmal um ein paar hundert MHz angehobenen Taktfrequenzen scheint das Siliziumriegelchen anscheinend doch die Hitze im engen Gehäuse nicht auszuhalten. Auch das ständige Rumschleppen der zu kleinen Tower zur nächsten LAN-Party und das Montieren zu schwerer Kühlkörper werden dem Prozessorsockel nicht gerade gut tun.hot_tuning

Noch mal ein paar Monate später ärgert sich unser gut betuchter Gamer, dass sein System immer langsamer wird. Zum Händler bringen? Quatsch! Man hat ja auch die zweite Grafikkarte für SLI ganz alleine gesteckt bekommen und nicht auf den PC-Profi gehört, lieber in eine potentere Grafikkarte als zwei langsame zu investieren. Die haben ja alle keine Ahnung. Also ab zu einem großen Elektronikfachmarkt und eines der zahlreichen Tuning-Programme gekauft. Nach einmaliger 1-Klick-Wartung oder einem beherzten Mausklick auf “Ultra Boost” vermeldet das Programm, der PC sei jetzt um mehr als 300% schneller. Klasse, ohne neue Hardware kaufen zu müssen!

Doch schnell merkt auch die naivste Spielernatur, dass das Geld zum Fenster hinausgeworfen ist. Die Programme sind nämlich zum Großteil nur mehr oder minder schöne Oberflächen für die bei Windows schon mitinstallierten Systemtools. Man bekommt vergleichbare oder bessere Programmsammlungen sogar an jeder Ecke kostenlos im Internet. Außerdem verursachen die sogenannten “Tuning”-Programme mehr Probleme, als sie nützen. So ist es zwar nett gemeint, vermeintlich nicht mehr benötigte Einträge der Systemregistrierung (Registry) zu entfernen, aber manchmal erwischt man eben auch noch benötigte Einträge. Auch vermeintlich ungenutzte Dateien könnten noch benötigt werden – bei den heutigen Speicherkapazitäten muss man sich auch nicht wirklich um jedes Megabyte Gedanken machen.

11 Kommentare »

  • jonny0303 sagt:

    Hey Luca,

    ich binns mal wieder ;)
    Ich verwende schon seit einiger Zeit TuneUp Utilities (aktuelle Version) und hatte bis jetzt keine Probleme mit bzw. wegen dem Programm/Tool ;)

    lg

  • luca sagt:

    Denkst du ;)

    Wenn man weiß, was man tut, ist das ja auch in Ordnung. Allerdings sind die Funktionen zur Registry-Bereinigung und Löschung von ungenutzten Dateien eben sehr zweifelhaft, da gerade TuneUp da öfters mal schlampt.

    Nichtsdestotrotz ist das Geld für TuneUp wahrlich rausgeschmissen, weil es kostenlose Programmsammlungen gibt, die mehr können.

  • jonny0303 sagt:

    ABER z. B. das “Microsoft Internet Explorer” kann man mit TuneUp bequem ändern. Ohne TuneUp müsste man extra in der Windows Registere (cmd -> regedit) den Eintrag suchen und manuell ändern ;)

    Das finde ich eben gut bei solchen Programmen wie TuneUp, dass alles gleich zusammengefasst ist und man auch alles gleich findet :)

    lg

  • meyer55 sagt:

    ich kann deinem artikel absolut NICHT! zustimmen.
    und jeder, der auch nur ein bisschen ahnung von computern und co hat wird das auch nicht tun. hier die begründungen:
    - zunächst mal zum übertakten; grundsätzlich hat übertakten immer einen sinn! es sollte allerdings nur von jemandem angewand werden, der die entsprechende kompetenz besitzt, da viel kaputt gehen kann! die annahme, dass moderne prozessoren, die sich gut zum übertackten eignen, viel zu überteuert ist, ist absolut falsch! nicht nur moderne, teure prozessoren lassen sich übertakten: ich habe einen core2duo e6750 mit einem original-takt von 2,6ghz. diesen habe ich mit dem STANDARTLÜFTER (boxed, also keine stickstoffkühlung oder ähnliches) ohne probleme auf 3,2hgz übertaktet.
    der hohe preis der oben genannten prozessoren, liegt einfach nur daran, dass sie recht neu sind und kompliziertere technik mit sich bringen, die den chache vergrößern und alle möglichen anderen änderungen..
    - zum anderen die reinigungstools (tuneup): IMMER wenn wir eine aktion auf dem pc machen, wird ein regestry eintrag hinterlassen. wird z.b. eine datei iwo gespeichert und wieder gelöscht, dann haben wir in der regestry einen eintrag mit dem pfad der datei, obwohl diese wieder gelöscht wurde. programme wie tuneup helfen diese einträge zu entfernen. die aussage, dass benötigte einträge gelöscht werden ist schlichtweg falsch! tuneup ist ein sehr leistungseffizientes programm, dass zwar nicht den pc von null komma nix auf 100 bringt, ihn aber doch bereinigt und hilft den pc etwas zu beschläunigen.

    tipp: das nächste mal wenn du so einen bericht schreibst, befasse dich genauer mit dem thema, oder schreib über etwas mit dem du dich besser auskennst ;-)

  • luca sagt:

    Zuerst habe ich überlegt, diesen Kommentar aufgrund der grottigen Rechtschreibung, fehlerhaften (und nicht belegten) Ausführungen und Beleidigungen nicht freizuschalten. Allerdings verdient das eine Richtigstellung.

    Ich sagte nicht, dass Prozessoren mit einem guten Preis-/Leistungsverhältnis nicht zum Übertakten geeignet sind. Die Rede war von den hochpreisigen Topmodellen der Prozessorhersteller, die für ein Vielfaches an Geld nur ein paar Prozent mehr Leistung bringen. Und das meistens in der selben Fertigungslinie, soll heißen: da gibts auch keine neuen Funktionen.

    Deine Ausführungen über die Registry sind schlichtweg falsch. In der Windows-Registrierungsdatenbank werden nur Einstellungen gespeichert. Die erstellten und gelöschten Dateien verwaltet der Dateisystemtreiber. Bei dem Dateisystem NTFS werden diese Informationen zum Beispiel im Journal und im MFT gespeichert.

    Zu der “Tuning-Tool-Problematik” gibt es bei DerFisch.de einen guten Artikel. Auch CHIP hat schon herausgefunden, dass Tuning-Tools oftmals nur Placebo-Wirkung entfalten, in deren Forum steht dazu noch ein längerer Eintrag. Ich bin ein totaler Fan von kostenlosen Tuning-Tools, die oftmals komfortablere Oberflächen für diverse Windows-Einstellungen und Optimierungsfunktionen bieten. Da es diese allerdings zuhauf kostenlos im Internet gibt, finde ich es Schwachsinn, Geld dafür auszugeben.

  • xcdark sagt:

    “IMMER wenn wir eine aktion auf dem pc machen, wird ein regestry eintrag hinterlassen. [...] tuneup ist ein sehr leistungseffizientes programm, dass zwar nicht den pc von null komma nix auf 100 bringt, ihn aber doch bereinigt und hilft den pc etwas zu beschläunigen.”
    Blödsinn. Abgesehen von dem von Luca gesagten, wen interessiert es, ob du ein paar Einträge mehr oder weniger hast? Genau. Keinen. Wenn ein Eintrag enthalten ist, der nicht mehr benötigt wird, dann interessiert sich keiner mehr für diesen Eintrag.

  • Cayenne sagt:

    Hallo Luca!

    Ich muss jetzt auch mal meinen Senf zum Artikel geben. Leider muss ich sagen, dass der Titel überhaupt nicht zum Inhalt passt. Übertakten an sich kann sich durchaus lohnen. Nur lohnt es sich nicht, das Geld für einen neuen (mittleren) Komplett-Rechner für die nächste Version einer CPU-Reihe auszugeben, nur, weil dieser 200 MHz mehr Leistung bringt und um 150 MHz mehr im Vergleich zum Vorgänger übertaktbar ist (= insg. 350 mehr MHz Leistung).

    Intels i7-975 ist da mein persönliches Lieblingsbeispiel: Gerade einmal 133 MHz mehr Leistung als der i7-960er (übertakten lässt er sich vielleicht auch minimal mehr) und höherer Datentransferrate, aber kosten soll er stolze € 400,- mehr? Und von dort geht es nochmal in einem (ca.) 250-Euro-Schritt runter zum i7-920er? Und beim Mainboard geht der Spaß dann gleich weiter …

    Für einen Rechner mit i7-975er bekomme ich mehrere Rechner mit AMD Phenom II X4 965er! Bei diesem Hersteller betragen die oben von mir erwähnten Preisstufen zwischen den einzelnen Prozessoren einer Serie auch nur ein paar Euro. Das soll jetzt keinerlei Werbung für AMD sein (ich bin auch weder Intel-, noch AMD-’Fan’ und habe bereits Produkte von beiden gekauft), aber diese Preispolitik von Intel beim i7 finde ich dann doch etwas …

    Naja. Und ich denke, eben diese Preispolitik (egal, welcher Hersteller welcher Hardware sie nun praktiziert) ist es, die einen solchen Unsinn darstellt – nicht das Übertakten an sich.

    Zu diesen Systembereinigungs- / -aufmotztools kann ich nur eines sagen: Die, die z. B. die Registry bereinigen oder nicht mehr benötigte temporäre Dateien beseitigen, halten zumindest das System etwas sauberer (was Windows angeht jedenfalls, für mein Linux habe ich so etwas noch nie gesehen (oder gebraucht – eine Registry, als Beispiel, gibt es ja ohnehin nicht)). Die, die es ‘tunen’ sollen, bringen aber so in etwa gar nichts. Von 300% mal ganz zu schweigen, da gebe ich dir völlig recht. Probleme konnte ich jedoch bislang keine damit feststellen (wobei ich mich auch lieber an kostenlose Tools gehalten habe, als an irgendwelche Software, die mit wahnsinnigen GUIs und entsprechenden Preisen aufwartet).

    Beim RAM geht’s gleich weiter, wie du ja beschreibst. Für das hier gesparte Geld kann man sich wirklich ein besseres Gehäuse + ein paar Kühler kaufen. :)

    „Doch schnell merkt auch die naivste Spielernatur, dass das Geld zum Fenster hinausgeworfen ist.“ – Wenn dem doch bloß wirklich so wäre … Was die Software angeht, magst du ja vielleicht sogar noch recht haben. Aber die Hardware? Leider trifft das hier auf die Wenigsten zu … Die größten Spinner sind meiner Meinung nach die Leute, die ihre Hardware mit flüssigem Stickstoff kühlen, oder ähnliche Sauereien betreiben. So etwas kann man aber im Produktiv-Einsatz ohnehin vergessen. Funktioniert höchsten bei Kurzzeit-Tests. Naja, wie auch immer. Wünsche dir jedenfalls noch einen schönen Nikolaus-Sonntag! :)

    Liebe Grüße,
    Cayenne (g:b)

  • luca sagt:

    Genau der anscheinend unpassende Titel war ja so gewollt. Soll ja auch zum Nachlesen anregen – sowas wie “Übertakten ist nicht immer sinnvoll” ist halt nicht so provokant ;)

    Genau die Preispolitik ist ja das Problem. Danke für die sinnigen (und richtigen!) Ergänzungen. Das Übertakten an sich ist wie du schon sagst nicht problematisch, allerdings sollte man es nicht zu weit treiben – je weiter die CPUs (und der RAM) außerhalb der Spezifikationen betrieben werden, desto häufiger treten Speicherfehler auf. In Studien wurden bei 10% höherem Takt ein Anstieg der Fehlerrate um eine Zehnerpotenz festgestellt – das sind 1000%!

    Zu den Tuning-Tools: die paar Einträge mehr verlangsamen das System noch nicht einmal messbar. Lieber habe ich eine doppelt so große Registry und 0,1% weniger Performance als mögliche Programmfehler durch fehlerhafte Daten. Die kostenlosen Tools sind da, wie von dir beschrieben, oftmals noch besser als die kommerziellen – da da eben nicht jedes Jahr eine neue Version mit neuer Oberfläche herauskommen muss.

  • Cayenne sagt:

    Hmmmm, okay. Was den Titel angeht, hab ich wohl den journalistischen Aspekt übersehen. :D

    Was das exponentielle Wachstum der Häufigkeit von Speicherfehlern beim Übertakten von Prozessoren angeht: Hast du vielleicht ‘ne Quelle? Ist ja nicht so, dass ich dir kein Stück glauben würde, aber ein Beleg deiner Aussage würde mich durchaus nicht kalt lassen. :)

    Was die Registry(-Tools) angeht: Ja. Da kann ich dir nur zustimmen. Das war’s dann auch schon. :D

    Liebe Grüße,
    Cayenne

  • luca sagt:

    I. S. Haque, V. S. Pande: Hard Data on Soft Errors: A Large Scale-Assessment of Real-World Error Rates in GPGPU

    Da gings allerdings um Grafikkarten-RAM. Das lässt sich allerdings auch auf normalen Speicher übertragen. Auf die Schnelle habe ich leider nichts anderes gefunden.

  • DrÜ sagt:

    Also,

    ich stimme dem Artikel teils teils zu.

    Ich benutze TuneUp und co. schon seit dem ich installieren kann und was gebracht haben diese “tools” ausser zeitverschwendung und fehlende dateiverknüpfungen bei mir bisher nichts.

    ein freund hatte mal ein problem nach der wiederherstellungsoption und tuneup war das einzige was ihn während seiner studienarbeit seinen rechner benutzbar gehalten hat weil alle fenster irgendwann übelst rumschneckten…

    ich halte von diesen tools nichts. von faulen programmieren für ein zahlungswilliges aber lernunwilliges publikum.

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